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Arbeit zu Beethoven 2020

VON THOMAS RAUSCH

Rösrath/Bonn. Mit Leben und Werk von Ludwig van Beethoven hat sich die Hoffnungsthaler Künstlerin Thesa Terheyden eingehend auseinandergesetzt. In einem Kunstprojekt zum 250. Geburtstag des Komponisten hat sie ihre Eindrücke und Erkenntnisse verarbeitet. Entstanden ist eine raumgreifende Arbeit, die den Betrachter eintauchen lässt in Musik und Biografie. Sie ist noch bis November im Bonner Frauenmuseum zu besichtigen —in der Ausstellung „Eleonore, Emilie, Elise – Beethoven und die Frage nach den rauen”, an der sich zahlreiche Künstlerinnen beteiligt haben.

Die Beiträge zu der Ausstellung blicken aber nicht nur auf die Frauen im Leben des Komponisten, sondern auch auf seine Zeit und seine Musik. Solistisch Terheydens Perspektive von der Musik bestimmt, sie betrachtet Beethovens Neunte Sinfonie und findet darin ihren persönlichen Weg zum Verständnis von Leben und Werk des Komponisten. Ihre Sicht auf Beethoven verknüpft sie dabei mit eigenen Erfahrungen. Tief beeindruckt zeigt sich Terheyden davon, dass Beethoven das Schwere und Tragische in seinem Leben so verarbeitet hat, dass daraus „das Leichte in seiner Musik“ entstand. „Mein Verständnisgeht so weit zu sagen: Beethovens ganzes Leben wird in der Neunten Sinfonie musikalisch widergespiegelt” ‚erklärt. die Künstlerin, „mit Zerrissenheit, mit dem tiefen Gefühl für Liebe, seiner Hoffnung auf Harmonie, seinem Hadern und seiner Versöhnung mit dem Schicksal.” Am Ende bleibe trotz aller Schicksalsschläge die Freude, die in der „Ode an die Freude” als Gottes Geschenkgepriesen wird.

An drei Wänden im Frauenmuseum drückt Terheyden ihr Beethoven-Verständnis künstlerisch aus. An der ersten Wand bringt die Künstlerin Erfahrungen ihrer Eltern in einen Zusammenhang mit dem Leben des Komponisten, sie versammelt dort das Korsett ihrer Mutter ebenso wie den Schwalbenschwanz ihres Vaters, der als Amateurmusiker einen Chor dirigierte. Das Korsett steht für Zwänge, der Schwalbenschwanz für eine idealistische, bildungsbürgerliche Fassade, hinter der

tiefes Leid und unverarbeitetes Trauma zu finden ist. Damit spielt Terheyden auf die Erlebnisse ihrer Elterngeneration im Naziregime an – eine braun gestrichene Holzplatte als Untergrund, ein im Ärmel des Schwalbenschwanzes verstecktes Plastik-Maschinengewehr und weitere Details sind so einzuordnen.

Die zweite Wand ist sechs Meter lang, sie steht im Mittelpunkt. Auf der großen Fläche breitet Terheyden drei Stoffbahnen aus, auf diesen hat sie Kompositionen in gedämpftem Gelb und Brauntönen gestaltet, dafür hat sie Pigmente aus der Provence verwendet. Mit den Gelbtönen hat die Künstlerin Beethvens Musik in eine überwiegend positive Farbgebung übersetzt, die abstrakten Formen an der Wand sind eine Reflexion über das Leben des Komponisten, das aus ihrer Sicht „getragen von der Freude” war. Bei der künstlerischen Umsetzung ihrer Vorstellungen folgte Terheyden ihrer Intuition: „Es hat sich alles von selber geformt.

Die dritte Wand blickt auf das eigene Leben der Künstlerin. Aufgehängt hat dort ein Kleid, das einmal ihr Totenkleid sein soll. Mit Abdrücken von ihrem eigenen Gesicht hat Terheyden neun Masken geformt – inspiriert von der Totenmaske Beethovens. Die Masken stehen für Höhen und Tiefen im Leben der Künstlerin, die damit Parallelen zur Biografie Beethovens feststellt. Zu der Installation gehören auch neun Schälchen mit Pigmenten: Sie symbolisieren, dass sich der Besucher sein eigenes Bild von Beethoven malen kann. Außerdem hat Terheyden das „Familien-Cembalo”, auf dem ihr Vater spielte, in ihre Arbeit integriert: Auch hier verbindet sie Beethovens Musik mit Erfahrungen aus ihrer Familie.

Die Ausstellung im Frauenmuseum Bonn, Im Krausfeld 10, bleibt bis 8. November zusehen. Für individuelle Besuche ist das Museum auch in der aktuellen Situation zugänglich. Besucher, die vor der verschlossenen Tür ankommen, melden sich telefonisch unter (0228)69 1344 oder (0178) 5347 660 und bekommen die Tür geöffnet – zu den üblichen Öffnungszeiten.

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