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Anstöße mit den Zündholz-Kästen

Gamma Thesa Terheyden verfolgt parallel mehrere künstlerische Stränge – Fußabdrücke stehen für Erfahrungen

VON THOMAS RAUSCH

Rösrath. An „Zündhölzern! arbeitet Gamma Thesa Terheyden. Mit dem Inhalt einer Streichholzschachtel hat das aber nichts zu tun, die Künstlerin gibt dem Begriff eine neue Bedeutung.

Was sie ausdrücken will, formuliert sie mit einem Satz. „Es ist für mich ein brennendes Thema.“ Vordergründig betrachtet, ist ein „Zündholz“ meist ein Kasten, der nach zwei Seiten offen ist und dem Betrachter Einblick gewährt: Zu sehen sind darin meherere Objekte, die sich assoziativ zu einer Aussage verknüpfen lassen. Inziwschen hat Terheyden Ideen für über 20 „Zündhölzer“ entwickelt und eine Reihe davon schon umgesetzt.

In einem bereits fertigen „Zündholz“-Kasten sind auf Holzscheiten einige schwarze, verkohlte Herzen zu sehen. Das lässt auf zerstörte Liebesgefühle und Bindungen schließen. An der Oberseite des kastens ist der Kopf eines Teufelchens angebracht, hier liegt ofenbar die Ursache des Desasters. Doch auch wenn das vorherige Rot von viel schwarzer Farbe überdeckt ist, dinden sich in dem Kasten auch noch zwei kleine Hernzen mit goldenem Innenleben – diese haben offenbar das zerstörerische Feuer überdauert. „So richtig kitschig“, findet Terheyden diese plakative umsetzung ihres Konzepts.

Viel erfeulicher ist die Szenerie in einem anderen „Zündholz“-Kasten: Da sind eine Sonnenbrille, Handschuhe, eine Atemmaske und Ohrstöpsel zum Musikhören versammelt – lauter DInge, die Distanz schaffen. Doch sie sind abgelegt, das Trennende ist beseitigt, ein Mensch öffnet sich dem anderen. Dazu passt der rote Anstrich des Kastens, der für Liebe steht. Auch ein goldener Fuß, den die Künstlerin von dem Kasten platziert, passt ins Bild: Er symbolisiert den Aufbruch in eine verheißungsvolle Zukunft. Mit dem Fuß schlägt Terheyden eine Brücke zu einem anderen künstlerischen Ansatz, den sie seit einiger Zeit verfolgt: Sie hat bereits Gipsabdrücke zahlreicher Füße angefertigt, sie zeugen von Menschen und Begegnungen. Auch der Journalist, der Terhyden in igren Arbeitsräumen besucht, soll sogleich Schuh und Strumpf ausziehen und einen Fußabdruck hinterlassen. „Das Spannende ist, dass die Gipsabdrücke mit den Menschen zu tun haben“, sagt die Künstlerin. „Das kleide ich in eine Geschichte ein.“

Wie bei den Gipsabdrücken von Füßen und auch anderen Körperteilen geht es in den „Zündholz“-Arbeiten um Menschen und Erfahrungen. „Diese ganzen Zündhölzer sind eigentlich mein Leben“, sagt Terheyden. Daher gibt sie der „Zündholz“-Serie einen hohen Stellenwert in ihrem Schaffen. Sie habe vier Kinder und vier Enkel, das präge ihre heutige Perspektive.

„Käfig der Freiheit“ hat sie eine weitere Arbeit im RRhamen der Serie genannt: Zu sehen ist ein Kind auf einer Schaukel inmitten eines Vogelkäfiges, ein Schloss blockiert den Ausweg: Die „Freiheit“ hat enge Grenzen. Wähend die künstlering hier mit einem Käfig und nicht mit einem Holzkasten arbeitet, siedelt sie ihr Objekt, wie andere „Zündhölzer“ auf Holzscheiten an: Diese in Rot oder Schwarz, stehen für etwas, das brennt oder gebrannt hat. Ganz ohne kasten und Käfig funktioniert eine weitere Arbeit in der Serie. Sie zeigt eine Frauenfigur, die fast komplett verhüllt ist, nur ein Augenschlitz bleibt frei. Hinter der unzugänglichen Fassade ist etwas Schönes zu entdecken.

Parallel zu ihrem „Zündholz“-Projekt arbeitet die Künstlerin laufend mit der Kamera. Sie portätiert Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, Frauen und Männer, mit Gesichtern, die Lebenserfahrung spiegeln. Jesidinnen im Nordirak habe sie benso vor ihrer Kamera gehabt wie Menschen in Palästina, berichtet Terheyden. Wue bei den Gipsabdrücken von Füßen gehe es bei den Portäts um Kontakt zu Menschen, um Interkation. Das liegt der Künstlerin am Herzen: „Mit Foto und Installation kann ich direkt wiedergeben, was mich bewegt.“ Solche Arbeiten seien oft schwerer verkäuflich. Aber das sei nicht ihr Maßstab, betont sie. „Es muss einfach sein.“

„Zündhölzer“ von Gamma Thesa Terheyden sind vom 15. Januar 2017 bis Mai 2017 im Frauenmuseum in Bonn zu sehen – zusammen mit Arbeiten von Helga Zaddach „Jareszeiten der Liebe“ heißt eine Fotoausstellung mit Männer-Portäts, die Terheyden vom 7. März bis 1. Mai im Café Berio in Berlin zeigt.

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